Abschiede und Reisen

Heute will ich über Abschiede schreiben, da das Thema mich in letzter Zeit sehr beschäftigt.

Ich bin nicht besonders gut im Abschied nehmen, und doch muss ich mich damit befassen, wenn ich mich für längere Zeit auf ans andere Ende der Welt machen will. Es geht hier nicht um Abschiede und Loslassen, da ich darauf an anderer Stelle zu sprechen kommen werde. Es geht hier um Abschiede von Freunden, temporäre Abschiede, Abschiede von der Umgebung und dem bisherigen Leben. 

Was ich durch mein Auslandssemester über Abschiede gelernt habe

Durch meinen 5-Monatigen Studienaufenthalt in Nordschweden, habe ich diese Phase schon einmal durchgemacht. Allerdings stand da ein Datum fest, an dem ich spätestens zurück sein muss, da ich bereits ein Praktikum in Deutschland zugesagt hatte. Von daher ist es wahrscheinlich nicht vergleichbar damit, was auf mich zukommt, wenn ich mich im November für unbestimmte Zeit in die Welt aufmache.

Ich habe damals mehrere Sachen festgestellt:

  • Es macht einen Unterschied, ob man die Person ist die geht und sich verabschiedet, oder ob man die Person ist, die Zuhause bleibt. Die Person, die Zuhause bleibt, ist weiterhin in ihrem "sicheren" Leben, mit der gewohnten Umgebung. Durch das Internet ist es so, als wäre man ständig präsent. Manchen fällt es so garnicht auf, dass da jemand fehlt. Die Person, die geht, muss sich dagegen in einer neuen Umgebung zurecht finden. Oft kommt Heimweh auf, nicht unbedingt nach dem Heimatort, sondern nach den Menschen. Man kommt sich dann alleine vor, bekommt sogar vielleicht das Gefühl, dass man Zuhause bereits vergessen wurde, weil alles so normal weiterläuft, während man selbst im Ausnahmezustand ist.

  • Man verabschiedet sich bei einer langen Reise nicht nur von anderen Personen, sondern auch von sich selbst. Man wird nicht mehr als der Mensch zurückkommen, der man vorher war. Das Reisen prägt. Eine neue Umgebung, neue Lebensumstände. Die Aufgaben, die im Alltag so anfallen, und die Prioritäten variieren und verschieben sich.

  • Man verabschiedet sich (vorübergehend) von einem Großteil des eigenen Besitzes. Es sind Entscheidungen zu fällen, was alles mit darf auf die Reise, und was zuhause bleibt. Oder wenn man noch weiter geht, was alles verkauft/verschenkt/weggeschmissen wird. Man stellt sich die Frage, was wirklich notwendig ist, was man wirklich braucht. In diesem Prozess war ich die letzten Wochen, zunächst durch meinen Umzug von Würzburg zurück nach Hause, und bald nochmal, wenn ich anfange zu packen. Genau der gleiche Prozess wie vor 2 Jahren. Wie viele Dinge sich da über die Zeit schon wieder angehäuft haben, die ich eigentlich überhaupt nicht brauche! Aber je mehr von meinem Besitz ich los werde, desto freier fühle ich mich.

Abschied von der Umgebung und dem bisherigen Leben

Ich habe mein Studium im September abgeschlossen. 7 Jahre lang habe ich studiert, sowas wie Routine gab es bei mir garnicht, und wenn dann höchstens für 4 Monate. Ich musste mir quasi um nichts Sorgen machen. Das Studium lief, ich fand immer einen Job, wenn ich nebenbei arbeiten wollte. Ich hatte mein Elternhaus und meine WG in Würzburg, ich hatte die Unterstützung meiner Eltern und Freunde, ihre Hilfe und ihren Rat wenn ich sie brauchte. Dadurch, dass ich keine oder wenige Pflichttermine an der Uni hatte, konnte ich spontan Entscheidungen treffen, wegfahren, feiern gehen, ausschlafen, genau so wie es mir gepasst hat. 

Diese Zeit ist nun vorbei. Durch meine Entscheidung, nach dem Studium zu Reisen, behalte ich mir meine Freiheit bei. Jedoch gehen dafür viele Aspekte meines bisher so sicheren Leben in der Nähe meiner Eltern verloren. Wie es mir damit geht und wie ich damit umgehen werde wird sich zeigen. Das letzte Semester habe ich in vollen Zügen genossen, und mich so innerlich von dieser Zeit verabschiedet.

Die 3,5 Jahre die ich in Würzburg gelebt habe (Minus 9 Monate Nordschweden und Frankfurt) waren echt tolle Jahre. Zum Studieren finde ich die Stadt optimal, ich habe es geliebt dort zu wohnen, viele meiner Freunde wohnen auch dort. Meine letzten Wochen dort habe ich die Stadt intensiver wahrgenommen, habe mir alles eingeprägt und mich so davon gelöst. 

Genau dasselbe mache ich jetzt in meinem Heimatdorf. Während ich vorher immer mit Kopfhörern durch das Dorf gelaufen bin und es eher ausblenden wollte, da ich mich nicht mehr wohlgefühlt habe, nehme ich die Umgebung jetzt wieder wahr und genieße es, so nah bei meiner Familie und meiner Kindheit zu sein.

Steht bei dir auch bald ein Umgebungswechsel an? Ein Cut in deinem Leben?

Ich kann wirklich nur raten, gerade kurz vor einer großen Veränderung, wenn der Kopf vermutlich schon drei Schritte weiter ist, da es immer etwas zu organisieren und zu planen gibt, die Umgebung in der man sich gerade befindet bewusst wahrzunehmen. Lass die Zeit, die du dort verbracht hast, Revue passieren, erinnere dich an all die tollen Momente die du in deinem letzten "Lebensabschnitt" hattest. 

Selbst wenn du deine Umgebung wechselst, oder auf Reisen gehst, um den letzten Abschnitt zu vergessen, etwa nach einer Trennung, erinnere dich an die gute Zeit und behalte alles so in dir. Nutze die letzten Tage intensiv, lass alles nochmal auf dich wirken. Lebe im Augenblick, selbst wenn etwas großes, wunderbares vor der Tür steht. Lass die Tage nicht einfach verstreichen um sie im Kalender abzuhaken. 

Für mich hat sich das total gut angefühlt, und den Abschied sehr viel leichter gemacht. 

Wie ich von meinen Liebsten Abschied nehme

Da es in fünf Wochen bei mir losgeht, ist schon jetzt die Zeit reif, mich von manchen Menschen zu verabschieden. Ich freue mich sehr auf all die neuen Begegnungen, die ich auf meiner Reise machen werde, aber ich weiß auch, dass ich einige vermissen werde. Allen voran meine Familie. Und ich bin dankbar, dass es heute möglich ist, über das Internet regelmäßigen Kontakt aufrecht zu erhalten. Das wird es auf jeden Fall leichter machen. Ich genieße jedes Treffen mit meinen Freunden, jedes Zuammensein mit meiner Familie, denn es könnte für lange Zeit das letzte sein. 

Und das ist etwas, was ich über die letzten Jahre gelernt habe: Jeden Moment so wertzuschätzen wie er ist, ohne daran zu denken, was morgen ist und was gestern war. Die Zeit genießen, ohne an Abschiede zu denken. Den Tag nutzen.

Was hast du durch das Reisen über Abschiede gelernt?

Ab damit in die Kommentare! :-)

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