100 Tage in Australien - meine Erkenntnisse

Am 03.03. war ich genau 100 Tage in Australien unterwegs. Ich kann echt nicht sagen, ob es sich kürzer oder länger anfühlt, es fühlt sich einfach richtig an. Vielleicht ein guter Zeitpunkt mal wieder ein bisschen Bilanz zu ziehen. Dasselbe habe ich nach einem Monat Reisen schon gemacht (siehe hier). Was meine Ausgaben in der Zeit waren, kannst du hier nachlesen.

Was ist eigentlich so passiert in der Zeit?

Seitdem ist viel passiert. Vor 2,5 Monaten hatte ich vor, nach Silvester unbedingt mit meinem Van nach Tasmanien überzusetzen, mir dort eine Farm zu suchen, und schonmal Tage für das 2nd year Visum zu sammeln. Was ich an Weihnachten und Silvester machen würde – da hatte ich noch keine Ahnung.  

Weihnachten habe ich dann am Strand und mit anderen Backpackern verbracht, Silvester bin ich auf ein Festival in Victoria gefahren, zu dem mich eine Freundin, die ich in Sydney kennengelernt habe, überredet hat. Eigentlich nicht meine Musik, was da an Acts aufgetreten sind, aber ich wollte es einfach erleben und hatte auch keinen besseren Plan. Und es war wirklich toll! Meinen Bericht kannst du hier nochmal nachlesen.

Tanglewood Festival Victoria
Tanglewood Festival 30.12.2016-02.01.2017

Inzwischen war der Plan Tasmanien schon über Board geworfen – ich hatte von einer Stelle in Adelaide gehört, als Traffic Worker (nicht auf einer Farm), womit man anscheinend ziemlich gut Geld verdienen kann und das auch für das 2nd year Visum zählt. Allerdings hätte ich hierfür einen Kurs belegen müssen und die Warteschlange hierfür war einen Monat lang. Ein weiterer Job in der Nähe von Adelaide auf einer Farm war in Aussicht – wurde mir aber dann doch nicht angeboten, da ich nicht sofort anfangen konnte und wollte. (Notiz an mich selbst: Wie war das mit dem "Flexibilität üben"?)

Nach Silvester bin ich also erstmal eine Woche in den Wilsons Promontory Nationalpark, um dann doch wieder in Melbourne in meinem Lieblingshostel zu landen. Ich habe Farmen ohne Ende in der Nähe angerufen, aber nirgendwo wurden Arbeitskräfte gebraucht. Zu dem Zeitpunkt hatte ich entschieden, in der Nähe von Melbourne zu bleiben, aus mehreren Gründen, aber vor allem weil ich mich hier irgendwie wohl fühle.

 

Wilsons Promontory Sunset
Sonnenuntergang im Wilsons Promontory Nationalpark

Also komplette Planänderung: Am 23. Januar ging es auf eine Farm (also doch), aber als Au Pair, wofür ich leider keine Tage für das 2nd year Visum angerechnet bekomme. Über meine Erfahrungen als Au Pair möchte ich in einem extra Artikel eingehen. Bevor ich eine Zusage für diesen Job bekommen hatte, habe ich allerdings noch DIE Sehenswürdigkeit bei Melbourne mitgenommen und bin die Great Ocean Road entlang gefahren, sowie zwei Tage durch die Grampians gewandert. Unglaubliche Aussichten, jedoch meiner Meinung nach alles zu sehr gehypet.  

Lighthouse Great Ocean Road Victoria
Leuchtturm an der Great Ocean Road

Seit dem 23. Januar wohne ich also in einer Familie, die mich als ein vollwertiges Familienmitglied aufgenommen hat. Ich sorge hier früh und nachmittags für ihren 7-jährigen Sohn, nach dem Abendessen und an den Wochenenden habe ich frei. Diese verbringe ich mit Freunden (anderen Backpackern sowie Australiern) entweder in Melbourne oder in einem der Orte hier in der Gegend. Vor 2 Wochen habe ich festgestellt, dass ich seit vier Wochen kein Deutsch mehr gesprochen habe (ab gesehen von gelegentlichen Anrufen von Zuhause, es ist garnicht so leicht bei 10 Stunden Zeitverschiebung passende Zeitpunkte zu finden!). Die Familie wohnt leider mitten im Nirgendwo, so dass ich unter der Woche nicht wirklich viel erlebe über das es sich zu berichten lohnt. Diese Zeit nutze ich aber, um eine gewisse Routine aufrecht zu erhalten und mich meinem eigenen Wohlergehen zu widmen. So eine Reise ist furchtbar spannend – aber für jemanden wie mich, introvertiert und sehr viel Zeit für sich selbst brauchend, teilweise auch echt anstrengend.  

Ich und mein Van <3
Ich und mein Van <3

Was habe ich in diesen 100 Tagen hier alles gelernt?

Da es nicht besonders spannend ist, zum hundersten Mal meinen "Weg" nachzuvollziehen, möchte ich nun auf einige Dinge zu sprechen kommen, die ich hier gelernt habe, die mir aufgefallen sind, oder die ich einfach gerne teilen möchte:

  • In Australien laufen die Uhren anders. Also ab gesehen von der Zeitverschiebung. Hier sind alle flexibel und Termine sind selten fix, da immer wieder etwas dazwischen kommen kann. Sonntage sind eher zweite Samstage als Ruhetage, wie ich die Sonntage gewohnt bin.

  • Entfernungen sind nicht das gleiche. Hier fahre ich gut und gerne mal 70 km, um für ein paar Stunden einen Freund zu besuchen und dann auch 70 km wieder zurück. Würde ich mir in Deutschland vermutlich schenken.

  • Planen kann man total vergessen. Mir fällt das richtig schwer, da ich eher die Kategorie Mensch bin die von Freunden gefragt wird "an welchem Wochenende hast du das nächste mal Zeit?" anstatt "hast du am Wochenende Zeit?". Hier in Australien weiß ich oft donnerstags noch nicht was ich freitags mache. Aber das ist in Ordnung, ich wollte schon länger an meiner Flexibilität arbeiten. Man muss sich nur dran gewöhnen :-)

  • Ab gesehen davon kommt eh alles anders als man denkt. Man lernt andere Leute kennen, schließt sich mit diesen zusammen, versteht sich evtl. doch nicht so gut mit den Travelmates und muss daher die Pläne ändern, oder andere Gründe führen dazu, dass sich die eigenen Wünsche und Ziele ändern.

  • Alles ist sehr unverbindlich. Ich habe schon in Deutschland "lernen müssen", dass jeder Mensch opportunistisch ist und sich ungerne festlegt. Hier, wo ich meistens unter anderen planlos Reisenden bin, ist das noch extremer. Aber – es gibt mir die Chance mich genauso unverbindlich gegenüber anderen zu verhalten und mich hauptsächlich auf meine eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren, was wahnsinnig wichtig ist, wenn man alleine reist.

  • Mir fällt es immer noch sehr schwer, Entscheidungen zu treffen. Momentan weiß ich zum Beispiel noch überhaupt nicht, wie es in zwei Wochen weitergeht, bis dann am 10.4. mein Papa zu "Besuch" kommt. Es gibt sooo viele Möglichkeiten!

  • Es ist wichtig, sich auch mal eine Pause zu gönnen. Zumindest für mich. Nach 2 Monaten nur Reisen, fast täglich Pläne ändern, immer irgendwie im Hinterkopf zu haben "jetzt bin ich schon hier, jetzt muss ich auch unbedingt etwas Spektakuläres erleben!", war ich bereits ziemlich erschöpft. Wie gesagt, ich bin eher introvertiert und brauche auch meine Zeit für mich. Also nehme ich mir die, lege mich einen Tag an den Strand und lese, verbringe einen Tag im Hostel (oder im Haus, je nachdem) und schaue eine Serie, schreibe Tagebuch, visualisiere, übe Dankbarkeit für alles was ich habe und erleben darf, und versuche mich dadrauf konzentrieren, was ICH tatsächlich will. Langsam treibt es mich aber weiter ;-) Ich bin dann eben auch niemand, der gerne lange an einen Ort "gefesselt" ist.

  • Es ist interessant, welche Leute eigentlich Teil an meinem Leben haben. Da gibt es auf einmal Menschen, von denen man jahrelang nichts gehört hat und plötzlich ist da ein Thema, ein Austausch. Oder Freunde, mit denen man vor der Abreise gefühlt jeden Tag Kontakt hatte, finden auf einmal "keine Zeit" mehr um sich mal zu melden. Am Besten ist da, garnicht darüber nachzugrübeln. Jeder lebt eben so sein Leben und die Dinge ändern sich. Und alles ist richtig genau so, wie es ist.

  • Die eigenen Ansprüche ändern sich. Wie angenehm es ist nach vier Tagen Wanderung endlich wieder duschen zu können, kann man sich so garnicht vorstellen. Und da geht es nur um vier Tage, das schaffe ich auch auf Festivals ;-) Andere Backpacker haben mir auch von längeren Zeiträumen ohne fließend Wasser berichtet. Oder wie angenehm es ist, auf meiner 1,40 Matratze im Van (wohlgemerkt: Ohne Lattenrost, lediglich auf Brettern) zu schlafen nach einem harten Hostelbett.

  • Barfuß sein = Freiheit! (Ich weiß, das ist das Klischee schlechthin, aber nicht ohne Grund ;-) )

  • Mir gefällt die englische Sprache besser als die deutsche und mir wird auch regelmäßig gesagt, dass ich richtig gut spreche. Ich bin auch am überlegen einen neuen Blog auf englisch zu starten. (Meinungen dazu?)

  • Ich vermisse deutsches Essen. Brot, Bier, Spätzle, Maultaschen, Leberkäse,.... :-(

Mein Fazit

Mir gefällt es hier total gut und ich bin so glücklich hier zu sein. Ich lerne soviel über mich und über das Leben und selbst wenn Australien von der Kultur her eher westlich ist und daher nicht sooo unterschiedlich, entdecke ich immer wieder Aspekte, die sich unterscheiden und die mir hier sehr viel besser gefallen. Wer weiß, welche Erkenntnisse noch auf mich warten in den nächsten Monate oder Jahre, in denen ich Australien und dann die ganze Welt entdecke :) Ich bin jedenfalls sehr gespannt, und halte euch auf dem Laufenden!

Was hast du so alles gelernt in der Anfangszeit einer längeren Reise?

Wie kann ich dir mein Erlebtes noch näher bringen?

Ab damit in die Kommentare :-)

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