"Travel Burnout": Was ist das, wann tritt das auf und was kann man dagegen tun?

Vorab: Die folgenden Ausführungen persönlich und gelten nur für mich. Es kann sein, dass andere Reisende das komplett anders erleben und empfinden. Das ist alles eine Frage der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Bedürfnisse. Ich denke aber, dass das so oder so ähnlich auf andere Reisende genauso zutrifft.

Was ist ein "Travel Burnout"?

Den Begriff "Travel Burnout" benutze ich in meinem Verständnis – ein Burnout vom Reisen. Ich beschreibe damit das Gefühl, nach einiger Zeit des Herumreisens nichts mehr sehen und hören zu wollen. Die tausendste Frage danach, wie lange man denn schon unterwegs sei. Der hunderste Strand, an dem man aber leider keine Zeit hat zu verweilen weil noch so viel mehr auf der Liste steht. Der nächste Sonnenuntergang, bei dem man aber eigentlich nur friert und sich wünscht im Warmen zu sein. Dazu irgendwie das Gefühl, den Zuhausegebliebenen pausenlos zeigen zu müssen, wie toll und außergewöhnlich die Reise ist. Das alles wurde mir irgendwann einfach zu viel und alles in mir hat nach einer Pause geschrien. Eine Pause, um die Akkus aufzuladen, um runterzukommen, um sich mal wieder auf die eigenen Ziele und Bedürfnisse zu besinnen. Ich habe dieses Gefühl immer dann, wenn ich in zu kurzer Zeit zuviele Ort besucht habe, zuviele Leute getroffen habe und zu sehr "unter Strom" stand. Dann kommt das Heimweh, die Sehnsucht nach Rückzug, nach einer Konstante im Leben.  

Gründe für mein Travel Burnout

Zuviele Eindrücke in zu kurzer Zeit

Das ist der Nachteil am "schnellen Reisen". Es ist eher ein Abklappern von Orten und irgendwann macht das Hirn da dicht. Bei mir äußert sich das gerne dadurch, dass ich keine Fotos mehr machen möchte. Ich kann dann nichts mehr aufnehmen und wozu das Ganze dann festhalten? Auch habe ich dann keine Lust mehr, die vielen Wanderwege und Lookouts abzuklappern. Ich bin dann der glücklichste Mensch wenn ich mal 2 Nächte am selben Ort verbringe oder mal einen Tag nur am Strand relaxen kann – das ist dann ein todsicheres Zeichen für mich, dass ich eine Pause brauche.

Die fehlende Routine

Es ist schwierig, während dem Reisen eine Routine aufrecht zu erhalten. Ich bin da schon ziemlich schlecht drin, wenn ich eine Art Alltag habe. Ich weiß aber, dass mir das hilft wenn ich es durchziehe. Vor allem wenn Unvorhergesehenes eintrifft, ist es schön eine Routine zu haben, an die man sich halten kann. So sehr ich es liebe, jeden Tag neues zu sehen und neues zu erleben, wenn mir über längere Zeit ein Anker fehlt und ich das Gefühl habe, dass es keine Chance gibt mir einen zu schaffen, dann wird es jeden Tag schwieriger, die Erlebnisse aufzunehmen und zu verarbeiten.

Viele unsichere Variablen

Ich bin generell jemand, der viel nachdenkt, viel abwägt (und dann Entscheidungen letztendlich doch aus dem Bauch heraus trifft). Und beim Reisen bekommt man eine Menge Stoff zum Nachdenken! Wird das Geld noch ausreichen, um meine Pläne durchzuziehen? Was mache ich, wenn ungeplante Ausgaben auf mich zukommen? Wird mein Auto durchhalten? Wo schlafe ich heute Nacht am besten? Habe ich beim Verlassen des letzten Hostels an alles gedacht? Was mache ich, wenn ich krank werde (beim kleinsten Halskratzen...)? Das sind nur einige der Sorgen, die ich teilweise täglich gespürt habe. Es ist nie etwas schlimmes passiert, ich hatte keine unlösbaren Aufgaben vor mir, dennoch laugt es aus, wenn man sich diese Gedanken und Unsicherheiten permanent im Hinterkopf stellt. Das liegt sicher auch an mir, dass ich da nicht richtig abschalten kann. Aber es hat definitiv zum Travel Burnout und zu dem Bedürfnis nach einer Pause und einer gewissen Sicherheit beigetragen. (Meine Tipps zu Negativen Gedanken habe ich bereits vor einigen Monaten hier niedergeschrieben.)

Begegnungen und Abschiede

Und zwar viele. Freundschaften und Begegnungen auf Reisen sind etwas anderes als zuhause. Sie entstehen schneller, häufiger, sind intensiver und oft ist die gemeinsame Zeit begrenzt. Man begegnet sich in Ausnahmesituationen, die man miteinander teilt. Man teilt eine Leidenschaft – das Reisen - und weiß das von der ersten Minute an. Der Abschied ist dann oft schwer, die Wege trennen sich meist schneller wieder als einem lieb ist, ein Wiedersehen ist wahrscheinlich nicht möglich, zumindest nicht in nächster Zeit. Und so darf man immer wieder von vorne anfangen, Kontakte zu knüpfen. Natürlich – es ist ein Privileg so viele wundervolle Menschen aus der ganzen Welt treffen zu können. Aber besonders für mich als eher sensiblen Menschen sind die Abschiede sehr schwierig. Deshalb möchte ich über dieses Thema auch definitiv noch einen eigenen Beitrag schreiben, in der Hoffnung das noch ausführlicher darstellen zu können und meine Gedanken mit euch zu teilen.

Was kann man dagegen tun?

Eigentlich nur eins – eine Pause einlegen. Aber am Besten durch langsames Reisen verhindern, dass es überhaupt soweit kommt!

Das bedeutet:

  • mehrere Tage an einem Ort einplanen und diesen wirklich kennenlernen

  • sich selbst immer mal wieder einen Tag "nichtstun" erlauben, auch ein Detox von sozialen Medien kann helfen! (Hilft bei mir immer. Einfach mal die Welt Welt sein lassen und sich mit der eigenen Gedankenwelt beschäftigen.)

  • einen Serientag im Bett einlegen oder einen Lese- oder Sonnenbadtag am Strand, wenn garnichts geht

  • eine Routine entwickeln, und wenn es nur die 5 Minuten nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen betrifft

Ich war daher froh, als ich das Jobangebot in Tasmanien auf einer Farm bekommen habe. Die Arbeit ist anstrengend, aber ich konnte komplett runterfahren und habe langsam wieder richtig Lust, Leute zu treffen und diese wunderschöne Insel zu erkunden! Die Reise wird also definitiv weitergehen! :-)

Welche Erfahrungen hast du mit einem "Travel Burnout" gemacht? Waren diese ähnlich oder empfindest du das komplett anders?

Teile das gerne in den Kommentaren mit mir!

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Kommentare: 2
  • #1

    Esther (Dienstag, 08 August 2017 13:21)

    Hi
    Einen sehr gut geschriebenen Beitrag, da sprichst du mir fast aus der Seele. Auch ich kenne diese Situationen nach 8 Monaten sehr gut und beschreibe es jeweils als Reisemüdigkeit. Besonders habe ich nun langsam die "Nase voll" von Asien, aber das ändert sich bald :)
    Ich wünsch dir viel Freude und immer wieder Motivation auf deiner Reise wenn du soe brauchst!

  • #2

    Doris (Dienstag, 08 August 2017 22:04)

    Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.

    Indianische Weisheit