Leben und arbeiten als Au Pair - nur ein Job?

Heute möchte ich euch etwas über das Leben als Au Pair erzählen. Ich lasse die Bilder in diesem Artikel weg, da ich finde, dass ich keine Bilder von Kindern die nicht die eigenen sind ins Netz stellen sollte.

Man kann sich das finde ich nicht so richtig vorstellen. Also ich konnte es nicht, bevor ich es selbst ausprobiert habe.

Dabei ist es im Grunde genommen ganz einfach – man wohnt bei einer Familie im gewünschten Land (hier liegt auch der Unterschied zum Beruf „Nanny“, denn diese leben meistens getrennt von der Familie in ihrem eigenen Zuhause). Dort kümmert man sich um die Kinder und meistens auch irgendwie um den Haushalt. Dafür bekommt man Unterkunft (ein eigenes Zimmer, manchmal sogar ein eigenes kleines Häuschen), Essen, Internet, Wasser, Strom, oftmals ein Auto, das zur freien Verfügung steht und ein kleines Taschengeld. Klingt ja alles ganz angenehm. Man wird nicht reich, aber man kann definitiv etwas sparen zum weiterreisen.

Ich habe mir das nie vorstellen können, als Au Pair zu arbeiten. Ich wollte Abenteuer erleben. Im Januar ist es aber dann mangels Jobalternativen dazugekommen, dass ich für 2 Monate Mitglied einer Familie wurde. 80 km von Melbourne entfernt, habe ich dann die Chance bekommen, das australische Leben kennenzulernen. Auch in Tasmanien mit einer Familie zusammenzuleben bringt mir Australien als Land und Kultur sehr viel näher, als es jeder andere Job ermöglicht hätte.  

Ich bin nach Australien gekommen, um das Leben hier kennenzulernen. Als Backpacker ist es aber nicht soo leicht, einfach mal einzutauchen und den Alltag der Australier kennenzulernen. All die kleinen Unterschiede zum Leben zuhause festzustellen. Schließlich ist man ja Reisender, man lebt die meiste Zeit in Hostels mit Gleichgesinnten oder fährt durch die Gegend um das Land zu erkunden.  

Dass ich dann in den beiden Familien gelebt habe, hat mir soviel Gutes gebracht. Ich konnte Geld sparen, da ich nichts für Unterkunft und Essen, also das Alltägliche ausgeben musste. Lediglich meine Freizeitaktivitäten am Wochenende bzw. an meinen freien Tagen musste ich selbst finanzieren. Mein Englisch wird mit jedem Tag sicherer, der australische Akzent stellt inzwischen kaum noch ein Problem für mich da und ich wage zu sagen dass sich auch mein Wortschatz sehr vergrößert hat. Ich hatte bzw. habe ein Zuhause und eine Familie, an die ich mich mit Fragen, Problemen oder was immer mich beschäftigte wenden konnte.  

Die Arbeit mit Kindern bringt mehr Freude, als ich dachte, Kinder geben einem sehr viel! Man kann viel von ihnen lernen, von der Unbeschwertheit und Sorglosigkeit. Selbst von dem Chaos, das sie oft so gedankenlos hinterlassen, das man sich selbst aber seit Jahren nicht mehr erlaubt hat, da ja alles seine Ordnung haben soll. Es ist unbeschreiblich schön, wenn sie sich freudestrahlend für eine kleine Belohnung bedanken. Wenn sie müde werden und sich auf den Schoß kuscheln. Wenn sie ganz aufgeregt ihre Gedanken und Erkenntnisse preisgeben.

Aber es ist wirklich nicht immer leicht. Man wird oft belächelt, wenn man sagt man „arbeitet als Au Pair“. Das ist doch keine richtige Arbeit. Das bisschen Kinderhüten. Dachte ich anfangs auch. Dann kamen allerdings die ersten „15-Stunden-Schichten“, die früh damit anfingen, dass die Kinder ins Bett gekrabbelt kamen und erst endeten wenn die Kinder wieder im Bett lagen, alle Spielsachen vom Tag weggeräumt wurden und die Küche wieder sauber war. Klar, man könnte das Chaos so lassen wie es ist, sich nur den Kindern widmen, nur leider wird es davon nicht weniger. In diesen 15 Stunden, oder zumindest in den 13 Stunden in denen die Kinder wach waren, gab es keine Pause. Da ist kein „ich trink jetzt erstmal in Ruhe Kaffee“ möglich, nein manchmal nicht mal eine Toilettenpause ohne dass die Kinder vor der Türe stehen und bespaßt werden wollen. Es ist unglaublich, wie viel Energie Kinder haben! Ich wünschte, ich könnte da mithalten. Windeln wechseln bzw. immer daran denken, Windeln dabei zu haben, oder Ersatzklamotten da Pfützenspringen das Lieblingsspiel ist; die Kinder zum Gemüseessen überreden oder dazu zu bringen, den Tag nicht vor dem Fernseher verbringen zu wollen; permanente Beschäftigung und permanentes "wieso, weshalb, warum" Fragespiel; das kann manchmal ganz schön an den Nerven zerren.

All das macht mich unendlich dankbar für alles, was meine Eltern für mich und meine Geschwister gemacht haben. Und das schon mein ganzes Leben lang.  

Au Pair zu sein ist nicht für jeden was, soviel steht fest, man muss sich auf lange Tage einstellen, trotz Krankheit und Müdigkeit präsent sein und selbst freie Tage sind nicht immer freie Tage, da man ja in der Familie wohnt und sich nicht für immer verstecken kann. Man kann auch nicht gehen und kommen, wann man will und sollte zumindest der Fairness halber das Weiterreisen etwas im Voraus planen.

Aber man bekommt auch soviel Gutes, man kann so viel lernen, über Australien bzw. das Land in dem man als Au Pair tätig wird, über sich selbst und die eigenen Grenzen, über Kinder, über Gewohnheiten in anderen Familien und Kulturen. Man entdeckt eine ganz andere Welt, selbst wenn die Kultur ähnlich ist. Das beginnt bei den Routinen im Alltag, die in jeder Familie ähnlich aber doch irgendwie komplett anders sind, über das Essen, da ja jede Familie so ihre Spezialitäten und Lieblingsspeisen hat, bis hin zu besonderen Ereignissen wie Geburtstagen, die hier irgendwie anders gefeiert werden, als ich das von meiner Familie zuhause kenne. Und auch die Liebe und Freude, die einem Kinder entgegenbringen - die ist mit nichts aufzuwiegen.

So einen Au Pair „Job“ gibt es in vielen Variationen. Man kann das selbst organisieren oder über eine Agentur organisieren lassen. Man kann Glück mit der Familie haben oder totales Pech (ist mir zum Glück erspart geblieben – habe ich aber von anderen Au Pair Mädels gehört). Es gibt Familien, bei denen man kurzfristig unterkommen oder auch über mehrere Monate bleiben kann. Um ein Land und die Leute dort kennenzulernen, kann ich es jedenfalls empfehlen. Es ist mehr als nur ein Job, es ist totales Eintauchen in einen anderen Alltag als den eigenen!

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