Schüchtern und alleine reisen - ist das empfehlenswert?

Vor etwas über einem Jahr habe ich die Entscheidung getroffen, mich ans andere Ende der Welt nach Australien aufzumachen. Ganz alleine. Als schüchterne Person. Mein Fazit nach knapp 10 Monaten unterwegs? Ich kann es nur empfehlen!

Es hat mir vorab oft Bauchschmerzen bereitet – werde ich dort Leute kennenlernen? Oder werde ich die ganze Zeit alleine sein? Werde ich mutig genug sein, mir einen Job zu suchen, für mich einzustehen, wenn jemand mir Unrecht tut? Werde ich es schaffen, auf Leute zuzugehen – ohne Angst vor Ablehnung zu haben? Soviele Gedanken darüber, inwiefern meine Schüchternheit ein Hindernis sein könnte.  

Als ich in Australien angekommen bin, saß ich erstmal in der Hostellobby und wusste nicht weiter. Was jetzt? Eine unter vielen. Um mich herum Grüppchen. Wie haben die das gemacht? Sind die zusammen hergekommen? Komplett eingeschüchtert verbrachte ich den ersten Tag alleine, ohne Ansprechpartner, ohne Gespräche. Gegen Abend dann die Entscheidung, auf eine Eröffnungsfeier im Reisebüro nebenan zu gehen – in der Hoffnung, dass sich irgendeine Bekanntschaft ergibt. Und genauso kam es dann auch. Aber die Überwindung, da alleine hinzugehen, war riesig und es hat sich gelohnt. Das Mädel mit dem ich dort ins Gespräch kam und ich haben bis heute Kontakt – obwohl wir uns nur an meinen (und wohlgemerkt auch ihren) ersten drei Tagen in Australien gesehen haben.

Inzwischen hat sich viel getan bei mir. Ich bin auf mich alleine gestellt und daran wirklich unglaublich gewachsen. Beispielsweise als ich in Anfang Mai (nach etwa 5,5 Monaten in Australien) in Darwin im Hostel angekommen bin, da bin ich von ganz alleine auf die Gruppe Reisender zugegangen, die gerade beim Frühstück saßen und habe mich vorgestellt. Ich war richtig stolz auf mich!

Ich habe Phasen, in denen ich gewollt alleine reise, für mich alleine bin. Oder es lässt sich nicht vermeiden, weil ich keinen Reisepartner gefunden habe aber weiterziehen muss. Diese Phasen sind wichtig, sie laden meine Akkus auf und geben mir wieder die Energie, mich unter Leute zu begeben. Wecken in mir den Wunsch, mich Leuten zu öffnen. Jemanden an meiner Seite zu haben.

Wenn du also als schüchterne Person alleine reist und nicht alleine bleiben willst, begib dich am Besten an Orte, wo sich Gleichgesinnte aufhalten. Im Hostel und auf Campingplätzen kommt man schnell ins Gespräch. Oft reicht es schon, wenn man sich überwindet, nach Salz oder Öl zum Kochen zu fragen, um ein Gespräch zu starten. Wahlweise nach einer Zigarette, da habe ich als Nichtraucherin allerdings keine Erfahrungen. Reisende sind neugierig, viele haben noch weniger Plan als man selbst und daher Interesse, sich über Erfahrungen und zukünftige Vorhaben auszutauschen.  

Auch das Internet ist für mich eine gute Anlaufstelle. Über verschiedene Facebook Gruppen habe ich schon so liebe Menschen kennengelernt und meine ersten Jobs gefunden. So konnte ich mich ganz bequem hinter meinem Laptop verstecken und diese Sachen organisieren. Auch auf Couchsurfing.com trifft man Leute, die sich auf einen Kaffee und zum plaudern treffen wollen, die einem die Gegend zeigen können und im besten Fall noch eine Couch zum Übernachten haben.

Meine Sorgen, dass ich es vielleicht nicht schaffe auf andere Leute zuzugehen und Kontakte zu knüpfen oder gar echte Freundschaften zu entwickeln waren wirklich komplett unbegründet. In neuen Situationen bin ich nach wie vor sehr unsicher, aber immer öfter schaffe ich es trotz meiner Schüchternheit aus der Komfortzone herauszutreten und diese dadurch zu vergrößern. Wie schon gesagt ist es mir aber sehr wichtig, immer wieder "Erholungsphasen" einzulegen, mir Zeit für mich zu nehmen, mich vom "Gesellschafts-Hangover" erholen und immer mal wieder in mich reinzuhören, was denn meine Bedürfnisse sind.  

Alleine dadurch, dass ich mich selbst in den letzten Monaten viel besser kennengelernt habe, konnte ich ein steigerndes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen entwickeln. Selbstbewusstsein hat meiner Meinung nach auch nichts mit Introvertiert oder Extravertiert, schüchtern oder nicht, zu tun. Sondern einfach damit, sich selbst zu kennen, die eigene "Schwäche" Schüchternheit anzunehmen und zu wissen, wie man damit umgehen kann – eben sich selbst bewusst zu sein.

Und wo könnte man das besser lernen, als an einem fremden Ort, an dem man wirklich auf sich alleine gestellt ist?

Hast du ergänzende oder widersprechende Gedanken und Tipps zum Thema Schüchtern sein und alleine reisen? Dann teile diese gerne in den Kommentaren!

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