4 Wochen leben im Caravan Park

Wenn mir vor meiner Reise jemand, der schonmal in Australien war erzählt hat, wie er oder sie wochenlang im Auto gecampt hat, in einem ganz normalen Auto mit Bett über der Rücksitzbank, so konnte ich mir das einfach nicht vorstellen. Zumindest nicht für mich. Nein, ich brauche meinen Komfort.

Dann bin ich nach Australien gekommen und habe aus dem Bauch heraus entschieden – ich will mir ein Auto kaufen, ich will flexibel sein und das ganze Land sehen. Gesagt, getan.  

Am Anfang habe ich nie lange in meinem Auto "gewohnt" – mal eine Woche Roadtrip, dann aber wieder ab ins Hostel. Ich habe mich generell in Städten sicherer gefühlt als Alleinreisende und dort ist es verboten, im Auto zu campen. Also war das Hostel die einzige Möglichkeit. Außerdem kam ich dort einfacher mit anderen Reisenden ins Gespräch. Aber wie gesagt - das war ganz am Anfang meiner Reise ins Unbekannte!

Mitte Mai habe ich einen Job auf einer Erdbeerfarm in Bundaberg bekommen und eins kam zum anderen, so dass ich mich für mehrere Wochen mit meinem Van Betty in einem Caravan Park wiederfand.

Strawberries Bundaberg
Arbeiten auf der Erdbeerfarm

Das Leben in Wohnwägen auf Caravan Parks kannte ich vorher nur aus dem "Assi TV". Leute, die kein Geld für eine Wohnung haben und daher "wie die Assis" im Wohnwagen leben. Nicht ganz leicht, mir einzugestehen wie beschränkt meine Sichtweise war. Aber ich kannte das einfach nur so. Bzw. kannte das überhaupt nicht. Vielleicht habe ich es noch ein bisschen mit Urlaub in Verbindung gebracht – Italien, Südeuropa mit dem Wohnmobil. Jedenfalls hätte ich mir niemals vorstellen können, selbst auf einem Caravan Park in meinem Auto zu wohnen und von dort aus jeden morgen auf die Arbeit zu fahren.

Nun war ich aber in der Situation, der Caravan Park war der günstigste Stellplatz (45$ die Woche – ca 30€) in ganz Bundaberg, hatte Duschen, Waschmaschinen, eine Küche und Wifi, also bin ich dort geblieben. Schnell habe ich mich mit anderen Backpackern angefreundet, die dort gezeltet oder in ihren Autos gewohnt haben, sowie Australiern, die sich für diesen Lifestyle entschieden hatten oder nur vorübergehend zum arbeiten in Bundaberg waren und daher eine Cabin gemietet hatten. Von 18 Jahren bis ins Rentenalter war dort alles vertreten, die Nationalitäten kann ich garnicht alle aufzählen, die unterschiedlichsten Gründe hatten die Menschen nach Bundaberg geführt und nun lebten sie dort, in diesem Caravan Park.

Ich selbst blieb nur knapp 4 Wochen dort, aber ich blicke immernoch mit einer gewissen Sehnsucht auf die Zeit zurück.

River Bundaberg
Aussicht vom Caravan Park auf den Fluss

Viele Freunde von Zuhause denen ich davon erzählt habe, haben genauso reagiert, wie ich reagiert hätte bevor ich es selbst erlebt habe. Daher ist mir dieser Artikel auch sehr wichtig, ich möchte zeigen, dass es sich manchmal lohnt einen alternativen "Lebensstil" auszuprobieren oder zumindest diesem gegenüber offen zu bleiben.  

An meinem ersten Tag auf der Erdbeerfarm habe ich mich mit 2 Franzosen und einem Belgier zusammengetan, die Nacht schliefen wir auf einem kostenlosen Campingplatz in der Nähe. Dort gab es allerdings keine Duschen und es war auch verboten länger als 24 Stunden dort zu bleiben. An unserem zweiten Arbeitstag erzählte uns unser Jobvermittler von dem Caravan Park Riverdale, direkt am Fluss in Bundaberg. Wir sind also dorthin gefahren und haben für eine Woche bezahlt. Ich konnte mir mit dem Belgier den Stellplatz teilen, wir konnten beide unser Auto dort parken und so die Kosten jeweils halbieren.  

An diesem Nachmittag und dann die ganze Nacht hat es geschüttet wie aus Eimern. Der Hunger musste aber gestillt werden, also ab in die Küche. Diese war offen, also ohne Außenwände, aber überdacht. Es versammelten sich quasi alle Caravan Park Bewohner, die keine Lust hatten alleine im Wohnwagen oder Zelt zu sitzen, in dieser offenen Küche, wodurch man relativ eng zusammenrutschen musste und direkt in Kontakt kam. Alle waren total lieb und hilfsbereit, man teilte sich das Bier und die wenigen Regenjacken, falls mal jemand auf Toilette musste, wir hörten Musik und aus einem sehr verregneten Abend im Caravan Park wurde eine sehr angenehme Nacht mit vielen neuen Bekanntschaften.  

Playground Bundaberg
Das Schiff in der Nähe des Caravan Parks - manchmal mein Rückzugsort

Ich muss sagen, dass es ohne die Leute wohl etwas anders gewesen wäre. Meine Arbeit ging meist nur von 6 bis 11 Uhr vormittags und so hing ich den ganzen Tag im Caravan Park rum, ich wollte in der Zeit soviel sparen wie möglich um anschließend die Ostküste zu bereisen. Nach der Arbeit habe ich dann meist Mittagessen und einen Mittagsschlaf gemacht und dann kamen auch nach und nach alle anderen von ihrer Arbeit zurück. Man saß dann gerne in der Küche, an den Autos oder an den Cabins zusammen und ließ den Tag ausklingen. Manchmal gab es einen Tag am Wochenende frei und das wurde dann gefeiert, man hatte ja auch sonst nicht viel zu tun.

Die Duschen im Park wurden jeden vormittag gereinigt, so dass ich meistens eine saubere Dusche nach der Arbeit hatte, warmes Wasser gab es auch. Auch die Küche wurde jeden Tag gereinigt. Wollte ich etwas Privatsphäre, habe ich mich in meinen Van zurückgezogen.

Ich habe in dieser Zeit nicht viele Bilder gemacht (daher auch sorry für die Qualität!), sondern einfach gelebt, habe gelebt, wie ich es mir vorher nie vorstellen konnte und viel mitgenommen aus dieser kurzen Zeit.  

Es ist nicht wichtig wo man ist solange man mit den richtigen Leuten dort ist

Das ist keine wirklich neue Erkenntnis, aber ich durfte es wieder einmal feststellen. In Bundaberg gibt es nichts Spannendes, das ist kein "Must See" Ort in Australien und viele kennen es nur wegen der Brauerei die es dort gibt. Die Arbeit auf der Farm war anstrengend und nervig, die Stunden konnten lang werden, wenn man nicht wirklich was zu tun hatte nach der Arbeit oder an freien Tagen. Ohne die Leute, die ich dort kennengelernt habe, hätte ich wahrscheinlich nur die Tage runtergezählt und den Wunsch gehabt, endlich zu gehen. Aber durch sie konnte ich diese Zeit so sehr genießen und soviel Gutes daraus ziehen – und dafür bin ich unendlich dankbar.

Man braucht nicht viel – und viel weniger als man denkt – zum Leben

Eine Dusche, Toiletten, eine Küche, (Wifi). Das sind die Punkte, die für den Riverdale Caravan Park sprachen und das war alles was ich brauchte, um mich wohl zu fühlen. Mein Bett hatte ich ja im Auto. Im April war ich einige Tage auf einem Weinberg in der Nähe von Adelaide – ohne all das. Auch das war aufregend, aber etwas "Luxus" braucht man dann doch. Luxus in Ausrufezeichen, aber vielleicht sollte man sich bewusst machen was das wirklich für ein Luxus ist, den wir normalerweise als selbstverständlich sehen.  

Frische Luft kann man nicht übertreffen

Ich hatte Glück, da ich fast nur Sonnentage hatte. Im Mai ist zwar offiziell schon Herbst aber in Queensland bedeutet das lediglich, dass es etwas kühler wird als im Sommer. Nachts, bzw. nach Sonnenuntergang wurde es schon recht frisch, aber da konnte man die Klamotten einfach schichten oder sich eine Decke umwickeln und dann ging auch das. Demnach war ich eigentlich den ganzen Tag an der frischen Luft, nur zum Schlafen ging ich in mein Auto (zählt das immernoch als Draußen?). Und das hat richtig gut getan. Ich war schön gebräunt, fühlte mich gesund und fit. Jedenfalls hatte dieses Dauercamping, dieses Dauer-An-der-frischen-Luft-sein etwas an sich, was ich nur von Festivals kenne. Irgendwie ist es doch auch schöner, nach der Arbeit mit Freunden draußen zu sitzen, anstatt sich in der Bude zu verkriechen und vor dem Fernseher zu vergammeln... Und stell dir mal vor du hast das jeden Tag!

Mein Fazit

Das waren drei der positiven Seiten, die mich immer wieder gerne an diese Zeit zurückblicken lassen. Ich weiß, 4 Wochen sind quasi keine Zeit und vielleicht würde ich anders davon sprechen, wenn ich das monatelang hätte, aber ich glaube nicht. Ich habe einige getroffen, die monatelang gecampt oder in ihrem Auto gelebt haben, um auf Farmen zu arbeiten und kaum etwas Negatives gehört. Eigentlich garnichts, wenn ich mich richtig entsinne.  

Vielleicht sollte man manchmal einfach nicht so vorschnell urteilen. Das Leben hat so viele Facetten, so viele Möglichkeiten und man kennt nur einen Bruchteil davon.  

Welche Gedanken kommen dir, wenn du "Leben im Caravan Park" hörst? Konnte ich dir da eine etwas andere Sichtweise eröffnen?

Lasse es mich gerne in den Kommentaren wissen!

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