Jahresrückblick 2017

2017 war ein sehr ereignisreiches Jahr, daher weiß ich gerade gar nicht so recht wo ich anfangen soll. Es wird auf jeden Fall der persönlichste Blogpost bisher werden. Ich erzähle dir erst einmal, was alles so passiert ist. Dies dürfte sich inhaltsmäßig sehr mit meinen Zusammenfassungen, z.B. zu 10 Monate Reisen oder 1 Jahr Australien decken. Wer das also nicht noch einmal lesen will, kann diesen Abschnitt überspringen und direkt zu meinen "Gedanken zu 2017" scrollen - dort wird es sehr persönlich und beschreibt nicht mehr nur die äußeren Geschehnisse sondern auch die inneren Ereignisse. Am Ende gebe ich noch einen kurzen Ausblick für 2018.

Was ist alles passiert?

Begonnen habe ich das Jahr auf dem Tanglewood Festival in der Nähe von Melbourne. Mitten in der Fire Ban Zone – also ohne Feuerwerk. Und nennen wir das Kind doch einfach beim Namen: auf diesem Festival habe ich jemanden kennengelernt und daher beschlossen, dass wenn es klappt mit einem Job, erst einmal dort zu bleiben und zu sehen was passiert.

Das mit dem Job hat geklappt, das mit der Liebe eher nicht, und so bin ich bereits Mitte März weitergezogen nach Adelaide. Und ja das tat richtig weh, aber ich konnte durch diese unglückliche Situation so vieles lernen und für meinen weiteren Weg mitnehmen. Einige Wunden von früher sind auch wieder aufgerissen, aber konnten nur so endlich geheilt werden.

Adelaide hat mir total gefallen und hier blieb ich eine Weile in der Nähe, lebte in meinem Auto auf einem Weingut und wartete auf meinen Papa, der eine Weile mit mir in Australien reisen wollte.

Gemeinsam mit ihm bin ich durch das Outback gefahren, durch das Red Center, bis ganz in den Norden nach Darwin. Natürlich haben wir unterwegs in Alice Springs Halt gemacht (auch weil mein Van einige Probleme machte) und sind mit einer organisierten Bustour zum Uluru oder auch Ayers Rock. 

Die Aborigine Kultur in Australien fasziniert mich total, aber sie ist so schwer zu greifen und zu be-greifen. Einer ihrer wichtigsten Stätten so nahe zu sein hatte eine ganz besondere Wirkung auf mich und die Energie, die ich dort spürte, trug viel zu einer inneren Ruhe bei, die ich vorher so nicht kannte. 

Darwin war mir zu heiß und schwül und die Klimaanlagen dort haben mich buchstäblich krank gemacht. Meine Reise führte mich also recht schnell weiter an die Ostküste Australiens – nach Brisbane.

In Brisbane verbrachte ich zunächst eine Woche mit Job suchen, fand dann einen etwas nördlicher in Bundaberg und hab mich spontan auf den Weg gemacht. In Bundaberg lebte ich knapp 4 Wochen auf einem Caravan Park und arbeitete auf verschiedenen Farmen, wo ich Gemüse und Obst pflückte. Das minimalistische Leben im Auto auf einem Caravan Park war ein weiteres prägendes Ereignis meiner Reise, das mir neue Sichtweisen beschert und mich auf meinem persönlichen Weg vorangebracht hat.

Im Juni „besuchte“ mich eine meiner besten Freundinnen aus Deutschland und wir bereisten die Ostküste, von der ich vorher ja noch nicht so viel gesehen habe. Byron Bay, Fraser Island, Whitsunday Islands und Noosa sind dabei nur einige der Highlights, die wir erlebt haben. 

Danach war ich pleite, aber das war es wert. Einen Job hatte ich mir schon vorher klargemacht und Anfang Juli nahm ich die Fähre von Melbourne nach Tasmanien, wo ich die nächsten vier Monate bei einer fantastischen Familie leben und auf deren Schaffarm arbeiten konnte. Neben der Arbeit hatte ich aber auch reichlich Zeit Tasmanien zu erkunden und da ich ziemlich zentral wohnte habe ich dies auch getan. 

Und mich komplett in diese kleine, unterschätzte Insel im Süden Australiens verliebt. Die Natur dort ist atemberaubend, die Menschen sind so herzensgut und hilfsbereit und diese Monate auf der Farm mitten im Nichts haben mir so viel gegeben. Es war wie ein Retreat und ich war so glücklich und bei mir selbst wie vielleicht noch nie.

Aber wenns am Besten ist soll man ja aufhören und nach nur 4 Monaten neigte sich meine Zeit in Tasmanien bereits dem Ende zu. Um mein Auto zu verkaufen nahm ich die Fähre zurück nach Melbourne, von wo aus es dann nach genau 360 Tagen in Australien nach Hause gehen sollte.

Natürlich nicht ohne einen Zwischenstopp in Thailand, von dem so viele andere Reisende geschwärmt haben. 4 Wochen hatte ich Zeit um Thailand zu erkunden. 

Diese 4 Wochen habe ich mir nicht wie das viele Reisende machen mit 2837 Zielen vollgestopft sondern mich lediglich auf 3 Orte eingeschossen und den Rest einfach auf mich zukommen lassen. So spontan war ich glaube ich noch nie, aber es hat wirklich gut getan und war ein weiterer Schritt auf meinem persönlichen Weg nach vorne.

13 Monate war ich unterwegs bevor ich Mitte Dezember wieder in Frankfurt landete. Einige erwarteten mich eine Woche später, einige wussten von gar nichts und ich hatte die ersten Tage meinen Spaß dabei, Überraschungsbesuche zu planen und durchzuziehen. Weihnachten habe ich mit meiner Familie verbracht sowie nun auch Silvester in Frankreich.

Meine Gedanken zu 2017

2017 war intensiv. Wie bereits oben erwähnt fing es mit einer eher unglücklichen Liebesgeschichte an, also Herzschmerz, ganz unten sein, dadurch auch Heimweh. Aber damit geht auch anderes einher: Mich selbst an die Hand nehmen (denn sonst war keiner da), mir wieder auf die Beine helfen, reflektieren was passiert ist und wie ich damit am besten umgehe. Das war so nicht geplant und das war nicht, wie ich meine Reise „starten“ wollte, denn da stand ich ja noch ganz am Anfang. Genauer gesagt war das genau das Gegenteil von dem, wie ich mir das Ganze vorher ausgemalt habe.

Aber es ist passiert und man kann das nicht ändern, nur daraus lernen und alles mitnehmen, was einen weiterbringt. Und ich möchte behaupten ich konnte richtig viel daraus gewinnen, Erkenntnisse über meine Beziehung zu Männern allgemein und zu mir selbst und genau so behalte ich das auch in Erinnerung – als eine Lehre, eine Möglichkeit zu wachsen.

Ich habe viel über mich und meine Bedürfnisse, besonders beim Reisen, gelernt. Insbesondere in den Phasen, in denen ich mit anderen gereist bin. Durch meine zwei „Besucher“ wurde mir jedes Mal bewusst, wie sehr ich das langsame Reisen schätze, wie sehr ich es brauche, mir Zeit für alles zu nehmen. Es macht Sinn, dass die beiden in der begrenzten Zeit so viel wie möglich sehen wollten. Aber letztendlich war das anstrengend, sehr teuer und trug dann auch dazu bei, dass ich mir für Thailand insgesamt nur sehr wenige Orte vorgenommen habe. Denn alles, was man auslässt, ist nur ein weiterer Grund zurückzukommen.

Außerdem wurde mir erst jetzt beim Leben aus dem Rucksack bewusst, wie wenig Luxus man eigentlich braucht, mit wie wenigen materiellen Gegenständen man klar kommt und wie viel Ballast jeder einzelne Besitz bedeutet.

Was für mich 2017 komplett weggefallen ist, war dieser „soziale Druck“, sich ständig mit Leuten treffen zu müssen, überall Kontakt zu halten, dauernd präsent zu sein. Ich habe freiwillig viele Freunde zuhause auf dem Laufenden gehalten, am Anfang mehr, am Ende weniger. Habe ich unterwegs Leute kennengelernt, mit denen es gepasst hat, konnte man was gemeinsam unternehmen oder zusammen weiterreisen, aber niemals fühlte sich etwas nach Verpflichtung an. Ich habe gelernt Nein zu sagen, da ich nur begrenzte Zeit an einigen Orten hatte und diese nicht mit Menschen oder Aktivitäten verbringen wollte, die mir nicht taugen. Und es ist ja auch egal, was eine Person, die man wahrscheinlich nie wieder sieht von einem denkt.

Seit Jahren versuche ich, mich in Geduld und Gelassenheit zu üben. Ungeduld ist glaube ich meine negativste Eigenschaft. 2017 hat sich da einiges getan, verschiedene Ereignisse und Phasen haben dazu beigetragen, dass ich mich innerlich viel ruhiger fühle. Ich schaffe es nun öfter, einfach passieren zu lassen was eben passiert, in dem Tempo in dem es passiert und nicht in der Geschwindigkeit die ich bevorzugen würde. Einfach mal warten und den momentanen Zustand zuzulassen, selbst wenn er völlig außerhalb meiner Kontrolle liegt. Oder gerade weil das meiste sowieso außerhalb meiner Kontrolle liegt.

Wie geht es 2018 weiter?

Bevor ich nach Australien bin habe ich Wirtschaftswissenschaften mit großem Erfolg studiert und ja ich habe es getan – ich habe einen Vollzeitjob angenommen. In Deutschland. In meiner Heimat. Und ich freue mich richtig darauf, mal wieder eine Aufgabe zu haben, eine Art Sicherheitsnetz, einen Alltag um mal wieder runterzukommen. Das ganze Wissen, das ich die letzten Jahre im Studium angesammelt habe, auch anzuwenden. 

Ich werde das Reisen nicht aufgeben und es sind auch schon einige Sachen für 2018 geplant. Mal sehen, wie sich das alles umsetzen lässt.

Jedenfalls freue ich mich sehr auf meinen weiteren Weg, ich bin neugierig, was 2018 bereit hält. Dieser Blog wird weiterhin aktiv sein, es gibt noch vieles was ich teilen will und ein großes Thema meines Blogs ist ja nicht nur das Reisen sondern auch ganz simpel „das Leben genießen“ und insbesondere „den Tag zu nutzen“. Mit einem Vollzeitjob ist das natürlich eine ganz andere Herausforderung als beim Reisen, aber ich habe eben durch das Reisen so vieles gelernt und bin gespannt, was sich davon auch im Alltag umsetzen lässt.

Und dabei möchte ich dich gerne mitnehmen und hoffe, dass ich von nun an auch über Themen schreiben kann, die dir direkt im Alltag weiterhelfen, das Beste aus deinem Leben herauszuholen und es so zu gestalten, dass es dich ausfüllt.

2017, danke für alles. 2018, ich freu mich auf dich!

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