Heimkommen - Gedanken und Gefühle nach der Reise

Vor 6,5 Wochen bin ich zurück nach Deutschland geflogen. Seitdem ist schon wieder so unglaublich viel passiert. Ich war sehr beschäftigt damit, meine Freunde wiederzusehen und auch seit kurzem mit meinem neuen Job. Teilweise beschlich mich sogar das Gefühl, ich beschäftige mich absichtlich permanent mit anderem, so dass ich mich nicht mit mir selbst beschäftigen muss.  

Fortgehen und alles hinter einem zu lassen ist nicht leicht – zurückkommen aber genauso wenig.

Über ein Jahr lang war ich weg, war ich auf mich alleine gestellt. Stand jeden Tag vor unzähligen Entscheidungen und Unsicherheiten, wo soll ich als nächstes hin, was mache ich heute, wo soll ich essen, wie lange reicht mein Geld noch, sind meine Wertgegenstände ausreichend gesichtert,...?

Und dann, einfach so, ist alles zu Ende. Ohne großen Trommelwirbel, ohne Vorbereitung. Klar, der Flug war schon länger gebucht und ich wusste ja auch was beim Zurückkommen auf mich zukommt, da ich nach meinem Auslandssemester in Schweden ja bereits schon einmal in dieser Situation war.

Ich kam also in Frankfurt an und war die nächsten Tage damit beschäftigt alle meine engsten Freunde und meine Familie zu überraschen. Das war wirklich aufregend und ich hab viel Energie reingesteckt, um das alles zu planen. Und es war wunderschön, alle wiederzusehen.

Aber auch die erste Aufregung über das Wiedersehen geht vorbei und dann bleibt nur eins – der Alltag. Und der ist auch noch ziemlich grau, jetzt im Winter. Die meisten können die Worte "in Australien..." nicht mehr hören. Nachdem ich die Frage "und erzähl mal, wie wars?" unzählige Male ironisch mit "schön" (denn wie bitte soll man so etwas zusammenfassen?) beantwortete, gaben sich die meisten damit zufrieden und es ging zurück zu Alltagsthemen. Einige wenige gingen tiefer, wollten wirklich wissen wie es mir erging. Und nicht nur, was ich als nächstes mache.  

Ich weiß nicht genau wie ich es in Worte fassen soll. Nichts erscheint mir ferner als anderen meine Erfahrungen aufzudrängen – aber andererseits sind genau diese Erfahrungen ein Teil von mir, sind mit mir um die halbe Welt gereist und sind mit mir nach Hause gekommen. Und so sehr ich mich bemühe, niemanden mit "in Australien..." oder "in Thailand..." auf die Nerven zu gehen erwische ich mich selbst immer wieder, wie es über meine Lippen kommt und kann meist im selben Augenblick in den Gesichtern der anderen dieses "oh nein sie tut es schon wieder" sehen. Und dann Themenwechsel.  

Doch zum Glück gibt es da immer eine handvoll Leute, die bereits selbst lange Zeit weg waren oder die es planen und mit denen man dann auch ganz offen reden kann, ohne das Gefühl zu haben man müsse so tun als wäre die Zeit nie passiert. Und zum Glück gibt es diejenigen, die ich beim Reisen getroffen habe und die nach wie vor mit mir in Kontakt sind und mir nachfühlen können.

Natürlich habe ich in 13 Monaten Ausnahmezustand auch eine Menge über mich und das Leben gelernt, meine Prioritäten neu gesetzt und mich weiterentwickelt. Nun stehe ich vor der Aufgabe, diese Erkenntnisse, die Travel-Jenny irgendwie in meinen neuen Alltag zu integrieren. Ich habe mich an die Freiheit gewöhnt, an den Gedanken einfach zu gehen, wenn es mir nicht gefällt, einfach weiterzuziehen und zu sehen was es da noch alles gibt. Und das wird jetzt erstmal schwierig. Ich hoffe es gelingt mir, da eine Balance zu finden. 

Im Moment kommt es mir vor, als renne ich gegen Mauern, als kann und will mein Umfeld nicht verstehen, was in mir vorgeht. Viele tun sich schwer mit Veränderungen, am besten soll doch alles und jeder so bleiben wie es ist. Auch für mich sind Veränderungen nicht leicht, aber ich habe gelernt, diese anzunehmen und zu lieben. Aber so ist das eben und zum Glück sind wir da alle unterschiedlich, denn nur so können wir durch und mit unseren Mitmenschen wachsen.  

Seit 2 Wochen arbeite ich Vollzeit, habe 40 Stunden die ich abzuarbeiten habe. Und mir macht der Job Spaß. Trotz Freiheitsdrang tut es gut, eine Aufgabe zu haben, nützlich zu sein. Aber die Waage zu halten zwischen freies, unabhängiges Ich und Alltagstrott-Ich kostet viel Energie. Einige Routinen helfen mir dabei, darüber würde ich aber gerne an anderer Stelle erzählen.

Noch ist das Fernweh nicht zurück, ich gewöhne mich an meine neue Situation und habe einige spannende Sachen dieses Jahr geplant – denn auch mit Vollzeitjob sollte man das Leben genießen, die Außergewöhnlichkeit täglich in den kleinen Dingen suchen, die Momente leben und das meiste aus den Tagen herausholen.

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