Tasmanien - (m)eine Liebeserklärug

"Tasmanien, wo ist das?" - " Hast du dort ganz viele tasmanische Teufel gesehen?" - "Tanzania?" - "Transsilvanien?" Jaja, die Verwirrung ist groß, wenn ich davon erzähle, dass ich 4 Monate in Tasmanien gelebt habe. Um hier kurz für Klarheit zu sorgen: Tasmanien ist eine Insel im Süden von Australien, südlich von Melbourne, hat etwa die Größe wie Irland und eine unglaublich vielseitige und atemberaubende Natur. Nein, ich habe nicht viele tasmanische Teufel gesehen, da diese nur nachts unterwegs sind und ich es aufgrund der zahlreichen nachtaktiven Tiere wenn es ging vermieden habe, nachts (mit dem Auto) unterwegs zu sein. Nein nicht Tanzania, das liegt in Afrika. Nein, nicht Transsilvanien, das liegt in Osteuropa.

Knapp 4 Monate ist es auch schon wieder her, dass ich Tasmanien verlassen habe. Folgender Text stammt genau von diesem Abschiedstag, ich habe nichts ergänzt, nichts geändert und nichts aktualisiert. Einfach rein die Gedanken beim Verlassen von Tasmanien:  

Ich sitze gerade auf Deck 10 der Fähre "Spirit of Tasmania", die mich von Tasmanien wieder ans Festland von Australien, nach Melbourne, bringen soll. Ich habe mir einen Kaffee geholt und will nun versuchen, irgendwie meine Gedanken über die vergangenen vier Monate niederzuschreiben.

 

Meine Liebe zu Tasmanien hat sich glaube ich bereits in meinen Posts auf den Social Media Kanälen Facebook und Instagram gezeigt. Und nun soll diese Zeit tatsächlich bereits zu Ende sein...

 

Bereits Ende Mai habe ich das Angebot erhalten, meine Farmtage in Tasmanien abzuarbeiten – im Winter. Irgendwie klang es perfekt und genau genommen hatte ich schon seit ich nach Australien gekommen bin den Gedanken, dass ich das in Tasmanien machen möchte. Nicht im Winter, aber nach sieben Monaten Sonne und High Life kam mir das dann doch sehr gelegen!

Am 6. Juli ging also meine Fähre über Nacht nach Tasmanien und ich habe am Morgen des 7. Juli zum ersten Mal die Farm gesehen, auf der ich die folgenden vier Monate verbringen sollte.

 

Ich habe mich schnell dort wohl gefühlt, ich hatte mein eigenes Zimmer im selben Haus wie die Familie und habe auch mit ihnen gegessen – dafür wurde mir für jeden Tag ein Betrag vom Lohn abgezogen. Viel Geld würde ich hier nicht machen, dafür das Leben auf einer Farm kennenlernen, die unglaubliche Natur Tasmaniens entdecken und ein Zuhause haben.

Es dauerte circa sechs Wochen, um für mich selbst die vorangegangen Monate zu verarbeiten und mich voll und ganz meinem neuen Leben hinzugeben. Danach? Das pure Glück!

Meine Arbeitstage waren alle unterschiedlich – unterschiedlich lang, unterschiedliche Aufgaben und ganz bestimmt nie langweilig. Teilweise habe ich 2 Wochen durchgearbeitet und im Gegenzug dann wieder eine Woche bezahlt frei bekommen.

Wenn ich einen freien Tag hatte, habe ich diesen entweder genutzt, um mich selbst, meine Ziele und Wünsche zu erkunden, oder ich habe einen Ausflug gemacht.

Tasmanien hat so viel verbieten und leider sehe ich viel zu oft, wie Reisende das unterschätzen. Klar, kleine Insel, eine Woche im Camper reicht da. Mir haben 4 Monate nicht gereicht und ich hoffe so sehr, dass ich irgendwann zurückkommen kann, denn es gibt noch viel mehr zu sehen.  

Tasmanien wird oft mit Neuseeland verglichen. Ich war noch nie in Neuseeland und kann daher nichts dazu sagen, aber wenn das stimmt dann steht Neuseeland wieder ganz ganz ganz oben auf meiner Länder-Wunschliste! Niemand hat mir von den unglaublich weißen Stränden entlang der gesamten Küste Tasmaniens erzählt. Ich habe geahnt, dass es viele Wasserfälle und Berge gibt, aber ich hätte mir nie träumen lassen, wie unglaublich diese sind. In Deutschland und Schweden war ich niemals wandern, in Tasmanien hätte ich am Liebsten jeden Tag meinen Rucksack gepackt und wäre losgestiefelt. Der Weg ist das Ziel und ich bin ein richtiger Wanderfan geworden.

Ich habe manch anstrengende Wanderung hinter mir und 12 Stunden Schichten beim Arbeiten, ich habe Grenzen entdeckt und diese überschritten. Zum Beispiel auf Maria Island als ich auf den Mount Bishop & Clerk kletterte und aufgeben wollte, da es so anstrengend war. Dann kamen 2 ältere Herren, die meinten, noch 10 Minuten. Also gut, noch 10 Minuten. Letztendlich waren es noch knapp 20 Minuten bergauf Geklettere, aber die Aussicht war unbeschreiblich und ich war froh, dass ich meine Grenze überschritten habe und mich noch einmal zusammengerissen habe.

Und ich hatte viel Zeit, mich mit mir selber zu beschäftigen, da mein Sozialleben - ab gesehen von Social Media - quasi gegen null ging. Wie gut mir das getan hat bestätigt jeder, mit dem ich Kontakt habe. Ich bin viel mehr bei mir selbst, als ich es je war. Ich bin glücklicher, als ich es je war. Es tut gut, mal keine sozialen "Verpflichtungen" zu haben und einfach nur zu machen, was sich in dem Moment gut anfühlt. Niemand erwartet etwas, ich musste nicht aus Höflichkeit Verabredungen einhalten, ich hatte nicht das Bedürfnis meine Zeit mit so vielen Treffen wie möglich zu verplanen. Stattdessen habe ich gelernt, auch mal einfach in den Tag hineinzuleben, die Welt Welt sein lassen und einfach nur zu tun, wonach mir ist.

Habe ich schon erwähnt, wie toll die Menschen hier sind? So viele Locals haben ihr Heim für mich geöffnet, entweder wenn ich mit der Familie unterwegs war und zu Parties eingeladen wurde, oder beim Couchsurfen, oder einfach so, wenn man sich zufällig begegnet ist und gut verstanden hat. Es heißt, die Menschen in Tasmanien sind der Zeit etwas hinterher – eher konservativ, verschlossen. Das stimmt vielleicht, aber die meisten, die ich getroffen habe, waren einfach nur liebenswert.  

Ich erinnere mich an meinen Besuch in einem Second Hand Buchladen, bei dem ich dann circa eine halbe Stunde mit der Verkäuferin gequatscht habe und dann zu spät zu meiner Kaffeeverabredung kam. Solche spontanen, ewig dauernden Smalltalks gab es einige. Ich kenne das von Deutschland eigentlich überhaupt nicht und empfand es zwar fremd, aber sehr herzlich. Sich einfach die Zeit zu nehmen und nicht ständig gestresst von einem Termin zum nächsten hetzen.  

Auch habe ich sicher 5 weitere Jobangebote von irgendwelchen Leuten bekommen, die da jemanden kennen, der gerade jemanden sucht. Allgemein hatte ich das Gefühl, irgendjemand kennt immer jemanden, der einem bei Bedarf weiterhelfen kann.

Tasmanien, dies ist eine Liebeserklärung, denn ich habe mich in diese Insel im Süden von Australien, die so oft übergangen wird, verliebt. In die Natur, die Menschen, das Leben. Dies ist ein Versprechen, dass ich wiederkommen werde. Ich kann garnicht anders.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0